Orthopädisches Schmerzzentrum - Dr. med. Gerhard Becker, Zürich

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Arthrose


Die Arthrose (Gelenkverschleiss) ist eine Erkrankung, die als fortschreitender, altersabhängiger Knorpelabrieb in den Gelenken definiert wird. Der Gelenkknorpel, der das Gelenk schützt und auch stark belastbar macht, geht langsam zugrunde und am Ende dieses Prozesses reibt Knochen auf Knochen.

Man unterscheidet die primäre von der sekundären Arthrose.

Bei der primären Arthrose ist die Ursache der Erkrankung nicht bekannt. Man hat aber herausgefunden, dass die Entstehung der Arthrose genetisch determiniert ist, das heisst die Arthroseentstehung in einem bestimmten Alter wird vererbt.

Die Ursache der sekundären Arthrose sind meist Folgen oder Begleiterscheinungen von anderen Erkrankungen oder können durch Nebenwirkungen von Medikamenten bedingt sein.

Am häufigsten entstehen Arthrosen als Folgeerscheinungen von Sport- und Unfallverletzungen.

Da die Arthrose mit der Belastung eines Gelenkes zusammenhängt ist das Kniegelenk am häufigsten betroffen, danach folgen die Schultergelenke, Zehengelenke und Hüftgelenke.

Die Ursachen, die von aussen kommen sind bekannt. Dadurch ist es auch möglich frühzeitig einer Arthroseentstehung vorzubeugen.

Die biomechanische Ursachen einer Arthrose sind Gelenküberlastung, Gelenkfehlbelastung und Gelenkentlastung.


Unter dem Begriff der Gelenküberlastung werden alle Zustände verstanden, die eine zu große Belastung auf das Gelenk ausüben. Hierzu gehört primär das Übergewicht. Es wurde wissenschaftlich nachgewiesen, dass erhöhtes Körpergewicht die frühzeitige Entstehung der Kniearthrose begünstigt.

Wenn die Gelenke nicht benutzt werden, das heisst zu wenig Bewegung, erhält der Gelenkknorpel nicht genügend Nahrungsstoffe und dadurch kann sich eine Arthrose ausbilden.

Gelenkfehlbelastung sind alle Zustände, bei denen die normalen Gelenkstellungen nicht vorhanden sind. Hierzu gehören erhöhte O– oder X-Beine oder eine nicht vollständig ausgebildete Gelenkpfanne beim Hüftgelenk (Hüftdysplasie).

Die Arthrose wird entsprechend der Outerbridge Klassifikation, die sich am arthroskopischen Befund des Knorpelschadens (Chondromalazie) orientiert, in 4 Stadien eingeteilt.
  • Chondromalazie Grad 1
    Es kommt am Knorpel zu Rauhigkeiten und Faserbildung. Der Knorpel fängt an weich zu werden.
  • Chondromalazie Grad 2
    Der Gelenkknorpel wird noch mehr abgebaut und es kann schon zu kleineren Löchern im Gelenkknorpel kommen. Die Läsionstiefe ist < 50 % .
  • Chondromalazie Grad 3
    Der Gelenkknorpel ist fast vollständig abgebaut und man kann schon teolweise auf den Knochen schauen. Es wird ein sogenannter alternativer Knorpel aufgebaut. Hyaliner Knorpel ist jedoch noch vorhanden. Die Läsionstiefe ist ≥ 50 % .
  • Chondromalazie Grad 4
    Hier ist der Gelenkknorpel vollständig abgebaut und man kann auf den Knochen schauen. Man spricht von einer Knorpelglatze.

Nebenstehende Bilder einer arthroskopischen Operation verdeutlichen den Unterschied zwischen einem gesunden Knorpel und den 4 Stadien der Chondromalzie.

Gesunder Knochen
Chondromalazie Grad 1
Chondromalazie Grad 2

Verlauf der Arthrose

Der Arthroseverlauf erstreckt sich meistens über mehrere Jahre. Der Patient leidet im Frühstadium nicht unter Schmerzen. Man spricht auch von einer latenten Arthrose. Diese ist im Röntgenbild durch eine Verdichtung des Knochens zu erkennen.

Der Beginn einer aktivierten Arthrose geht meist mit einer Entzündung einher. Wird diese Entzündung behandelt besteht zwar weiterhin ein Knorpelschaden, jedoch hat der Patient keine Schmerzen mehr. Trotzdem kann sich der Knorpel weiterhin abbauen, da die Degeneration des Gelenkes schmerzlos verlaufen kann.

Chondromalazie Grad 3
Chondromalazie Grad 4

Folgende Symptome sind Hinweis auf eine beginnende Arthrose

  • Diffuser Gelenkschmerz
  • Steifigkeitsgefühl
  • Kraftlosigkeit
  • Reduzierte Belastbarkeit
  • Wetterfühligkeit
  • Kältempfindlichkeit

Die Spätsymptome der Arthrose sind

  • Dauerschmerz
  • Nachtschmerz
  • Projezierte Fernschmerzen
  • Starke Bewegungseinschränkung
  • Zunehmende Gelenkdeformierung

Bei folgenden Schmerzformen sollten Sie an eine Arthrose am Gelenk denken:

  • Anlaufschmerz
  • Ermüdungsschmerz
  • Belastungsschmerz
  • Ruheschmerz

Da es am Rücken eine Vielzahl von kleinen Gelenken gibt, können auch Rückenschmerzen als Folge einer Arthrose auftreten. Wenn diese Schmerzformen auftreten, sollte relativ zügig ein Spezialarzt für Orthopädie aufgesucht werden, um die Ursachen für diese Art von Schmerzen herauszufinden.

Diagnostik der Arthrose

Die Diagnostik der Arthrose beginnt mit einer körperlichen Untersuchung. Der Arzt evaluiert inwieweit die Gelenke eine Bewegungseinschränkung aufweisen und ob die angrenzende Muskulatur schon eine Verschmächtigung (Atrophie) aufweist.

Weiterhin wird nach neurologischen Auffälligkeiten geschaut, da die Ursache der Atrophie und der Schmerzen auch vom Nervensystem ausgelöst sein können.

Bildgebende Verfahren zur Diagnostik sind ebenfall nötig. Zunächst muss auf alle Fälle vom schmerzenden Gelenk eine Röntgenaufnahme gemacht werden. Je nach Zustand des Gelenkes und bei der Fragestellung ob eine Operation nötig ist, kann auch noch zusätzlich ein Magnetresonanzaufnahme (MRI = magnetic resonance imaging, auch MRT = Magnet-Resonanz-Tomographie genannt) durchgeführt werden.

Bei der Diagnostik einer Arthrose spielen Blutlaborwerte eine untergeordnete Rolle.

Therapie der Arthrose

Je nach Stadium der Arthrose können verschiedene Therapieformen in Anwendung gebracht werden:

Handelt es sich um eine aktivierte Arthrose mit Entzündungszeichen (Schmerz, Schwellung, Rötung, Überwärmung und Bewegungseinschränkung ) wird zunächst ein entzündungshemmendes Medikament verabreicht, um die Entzündung zu stoppen.

Handelt es sich um eine beginnende Arthrose, bei der der Gelenkknorpel zugrunde geht, ist es sehr häufig sinnvoll Hyaluronsäure in das Gelenk zu spritzen. Nach eigener Erfahrung ist Hyaluronäure an grossen Gelenken wie Knie - , Schulter-, Hüftgelenken und oberen und unteren Sprunggelenken indiziert. Die Einbringung von Hyaluronsäure an kleinen Gelenken ist nicht erfolgsversprechend.

Da die Schmerzen sehr häufig durch Verwachsungen, speziell am Kniegelenk, ausgelöst werden können, kann eine arthroskopische Operation an diesem Gelenk eine rasche Besserung der Beschwerdesymptomatik bringen.

Sehr häufig werden die Schmerzen auch durch Strukturen verursacht, die an Gelenken ansetzen wie z.B. Sehnen, Muskeln oder Bänder. Klassisch sind hier die Schmerzen am Ellenbogen oder am Sprunggelenk zu nennen, deren Ursache sehr häufig die Knochenhaut oder Sehnenansätze sind.

Hier kann durch gezielte Infiltrationen oder auch durch Akupunkturtherapie eine schnelle Linderung erzielt werden. Auch durch eine manuelle Therapie kann sehr häufig eine Besserung erreicht werden.

Wenn der Gelenkverschleiß das Stadium IV der Chondromalazie erreicht hat, hilft meisten nur noch die Implantation eines künstlichen Gelenkes.

Hier stehen vor allem die Knie – und Hüftgelenke im Mittelpunkt der Behandlung. Durch die gute biomechanische Entwicklung der Prothesen sind hierbei hervorragende Ergebnisse zu erzielen.

Bevor jedoch eine Operation durchgeführt wird, sollten erst alle zur Verfügung stehenden konservativen Methoden ausgeschöpft werden.

Datum/Quelle/Autor
Datum: 19.02.2011
Quellen Text: eigene Darstellung
Quellen Fotos ©pro-wi-med
Autor: Dr. med. Gerhard Becker, Redaktionsteam pro-wi-med GmbH
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