Orthopädisches Schmerzzentrum - Dr. med. Gerhard Becker, Zürich

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Gesichtsschmerzen

Atypischer Gesichtsschmerz

Neben der Trigeminusneuralgie, die in einem separaten Kapitel unserer Webseite beschrieben wird, gibt es den atypischen Gesichtsschmerz. Er wird auch als anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz bezeichnet, d.h. ein Gesichtsschmerz, der ohne eine fassbare Ursache entsteht.

atypische Gesichtsschmerzen

Symptome

Der Patient leidet täglich und fast ständig unter meist einseitigen Schmerzen. Bei ca. 30 % der Patienten können die Schmerzen beidseitig auftreten. Örtlich sind die Schmerzen kaum eingrenzbar und werden meist an Augen, Nase, Wangen und/oder Schläfe empfunden und können häufig in den Kieferbereich und bis in den Nacken ziehen.

Die Schmerzen werden von Patienten nicht einheitlich charakterisiert. Sie werden als bohrend, brennend, stechend, drückend, dumpf und tief empfunden. Berührungen an den schmerzenden Stellen werden als unangenehm empfunden, es besteht aber in der Regel keine Sensibilitätsstörung. Häufig werden bei Kälte oder Wetterwechsel die Schmerzen schlimmer. In der Mehrheit der Fälle (über 90 %) handelt es sich um einen andauernden Schmerz mit wechselnder Stärke. Nachts sind die Beschwerden meist weniger stark.

Diagnose

Es handelt sich hierbei um eine Ausschlussdiagnostik. In der Regel sind HNO-, zahnärzliche und augenärztliche Untersuchungen ohne Befund. Wenn neurologische Untersuchungen andere Kopfschmerzarten und Tumore ausgeschlossen haben und mit bildgebenden Verfahren, z.B. Röntgen von Kiefer und Gesicht keine Ursache gefunden und ein Zusammenhang mit einer organischen Krankheit ebenfalls nicht verifiziert wird, bestätigt sich die Verdachtsdiagnose anhaltender idiopathischer Gesichtsschmerz.

Mögliche Ursachen und Fakten

Kopfschmerzexperten vermuten, dass eine der Ursachen für den anhaltenden idiopathischen Schmerz eine minimale Verletzung des Trigeminusnerves sein könnte und einen Dauerreiz auslöst, der als Schmerz an das Gehirn weitergeleitet wird. Eine weitere Erklärung der Experten ist, dass eine Fehlfunktion des schmerzhemmenden Systems vorliegen könnte. Auch wurde beobachtet, dass der atypische Gesichtsschmerz häufig nach Zahnbehandlungen oder invasiven Eingriffen im Gesichtsbereich erstmals auftrat.

Fakten sind:
  • 90 % der Patienten sind weiblich und im Alter zwischen 30 und 60 Jahren
  • Bei ca. zwei Drittel der Patienten wurde parallel eine psychische Auffälligkeit, z.B. Depression, festgestellt. Dies kann aber auch das Ergebnis langjähriger Schmerzen sein.
  • Ca. 50 % Patienten haben auch symptomfreie Phasen, welche spontan oder nach Therapie eintreten, die Wochen bis zu einigen Monaten anhalten können.

Therapie

Das Ziel des Orthopädischen Schmerzzentrums ist die Schmerzen zu lindern, da eine Heilung nur in seltenen Fällen gelingt.

Hierzu wird als erster Schritt ein ausführliches Aufklärungsgespräch mit dem Patienten geführt. Hierbei wird dem Patienten zunächst vermittelt, dass eine organische Schmerzursache nicht fassbar ist.

Das schmerztherapeutische Konzept wird individuell auf den Patienten abgestellt.

Innerhalb der multimodalen Schmerztherapie ist es wichtig, die Schmerzbehandlung des atypischen Gesichtsschmerzes mit einer Verhaltenstherapie zu ergänzen. So können die Patienten lernen Schmerzen besser zu bewältigen und mit Auslösefaktoren, wie z.B. Stress, besser umgehen.

Es wird Patienten mit der Diagnose atypischer Gesichtsschmerz angeraten, sich keinen unbedingt nötigen Operationen, insbesondere Zahnextraktionen und Wurzelbehandlungen zu unterziehen, da diese weitere Schäden verursachen und die Schmerzen chronifizieren können.

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