Orthopädisches Schmerzzentrum - Dr. med. Gerhard Becker, Zürich

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Osteoporose

Die Lebenserwartung der Menschheit hat sich in den zivilisierten Ländern in den letzten 100 Jahren verdoppelt. Dieser Umstand bedingt, dass viele Menschen Krankheiten erleiden, die unter anderem aufgrund der längeren Lebenserwartung bedingt sind.

Eine dieser Krankheiten ist die Osteoporose.

Osteoporose - Die Volkskrankheit

Nach Veröffentlichungen der International Osteoporosis Foundation sind von Osteoporose schätzungsweise 75 Millionen Menschen in Europa, den USA und Japan betroffen.

Von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurde die Osteoporose in die Liste der weltweit 10 bedeutendsten Krankheiten aufgenommen und als Epidemie des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Nach Expertenschätzung sind derzeit ca. 8 Millionen Menschen in Europa erkrankt. 40% der Frauen und 13% der Männer über 50 Jahren leiden an der Knochenstoffwechselstörung. Viele Menschen sind betroffen, aber wissen es nicht!

Die WHO geht davon aus, dass sich die Zahl der Betroffenen in den nächsten 20 Jahren verdoppeln wird.

Eine in der Schweiz durchgeführte Studie ergab, dass die jährlichen Kosten für die stationäre Behandlung (hinsichtlich der Aufenthaltsdauer) von Osteoporosepatienten höher waren als für Patienten mit Myokardinfarkt, Apoplexie und Brusttumor und nur leicht unterhalb denen für chronisch obstruktive Lungenerkrankungen lagen. Bei Frauen waren die mit Osteoporose in Zusammenhang stehenden Kosten höher als für all diese Krankheiten zusammen (Quelle: International Osteoporosis Foundation).

Was ist eine Osteoporose?

Definition der Osteoporose nach der WHO (World Health Organiztion): „Osteoporose ist eine systemische Erkrankung des Skelettes, die durch eine erniedrigte Knochenmasse und eine Verschlechterung der Mikroarchitektur des Knochens gekennzeichnet ist, mit der Folge einer Zunahme der Brüchigkeit und gehäuftem Auftreten von Frakturen.“

Man spricht von einer primären oder idiopathischen Osteoporose, wenn die Ursache der Erkrankung nicht zu ergründen ist. Beispiel hierfür ist die Osteoporose im höheren Alter, etwa ab 75 Jahren bei Männern und bei Frauen.

Bedingt durch einen Östrogenmangel bei Frauen tritt die Osteoporose nach den Wechseljahren auf. Hierbei ist jede dritte Frau betroffen. Die Osteoporose im höheren Alter zeigt sich meistens erst dann, wenn der Schenkelhals bricht. Tritt die Osteoporose in den Wechseljahren auf, sind meistens zuerst die Wirbelkörper im Lendenwirbelbereich betroffen. Erst dann treten auch Schmerzen und schwerste Behinderungen auf.


Um das Krankheitsbild der Osteoporose verstehen zu können, muss man den Aufbau des Knochens und die Zusammensetzung des Knochens einschließlich der Versorgung kennen.

Das menschliche Skelett besteht aus ca. 220 Knochen und entspricht ca. 15 % des Körpergewichtes. Das Skelett stützt und stabilisiert den Körper und schützt dessen Organe, es ist außerdem für die Blutbildung zuständig. Der Knochen ist ein lebendes Gewebe, wekches gut durchblutet und von Nerven durchzogen ist.

Der Knochen setzt sich aus 10 % Wasser, 25 – 30 % organischen Substanzen wie Kollagen I (Hauptbestandteil) und nicht kollagenartigen Proteinen, aus 60 – 65 % Mineralsalzen wie Kalzium, Phosphat und Karbonate, sowie aus 1% Zellen, den Osteoblasten, Osteozyten, Osteoklasten zusammen.

4 Bereiche untergliedern den Knochen:
  1. Substantia compacta - die kompakte Knochenmasse, welche den inneren Knochenkern umgibt. Sie wird von der Knochenhaut (Periost) eng umgeben und sorgt für die Stabilität der Knochen.
  2. Substantia Spongiosa, ein schwammähnliches Gerüst aus feinen Knochenbälkchen.
  3. Das Periost, das Knochen bildende Zellen (Osteoblasten) enthält.
  4. Das Knochenmark, welches der Blutbildung dient.


Gesunder Knochen

Der Knochenstoffwechsel - eine rege Baustelle

Der Knochenstoffwechsel ist ein komplexer ständiger und Vorgang und zeitlebens in einem ständigen Umbau. Die Osteoklasten (knochenabbauende Zellen) tragen durch Resorbtion permanent Knochengewebe ab und die Osteoblasten (knochenaufbauende Zellen) bauen wieder neues Knochengewebe auf.

Der Knochen wird dort aufgebaut, wo er mechanisch belastet wird und dort abgebaut, wo er nicht benötigt wird. Je mehr ein Knochen durch muskuläre Tätigkeit beansprucht wird, desto stärker wird er wieder aufgebaut, d.h. der Knochen passt sich den Erfordernissen an.
Somit werden die Knochen mechanisch optimiert sowie Risse und Frakturen geheilt.

Innerhalb von ca. 10 Jahren wird das menschliche Skelett durch diesen ständigen Prozess komplett erneuert.



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Risikofaktoren und vorbeugende Massnahmen

Nach dem heutigen Stand der Wissenschaft sind folgende Hauptfaktoren von entscheidender Bedeutung:

  • Die genetische Ausstattung des Menschen, dies bedeutet, dass Osteoporose meistens vererbt wird und
  • die Art und Weise der Ernährung
  • plus dem Schicksal, andere Erkrankungen zu bekommen, die dann in der Folge auch eine Osteoporose auslösen können.

Weitere vom Patienten selbst beeinflussbare Risikofaktoren sind:

  • Lebensweise - viel Koffein, Rauchen, Alkohol
  • Ernährung - wenig Kalzium und Vitamin D
  • Zu viel Proteine und Phosphate - coffeinhaltige Getränke/Fastfood, viel rotes Fleisch/ Schmelzkäse)
  • Bewegungsmangel

Wichtig zu einem vollständigen und kräftigen Aufbau des Knochens ist eine gesunde und bewegungsfreudige Lebensweise in der Kindheit und Jugend. Hier wird die Grundlage für ein kräftiges und gesundes Knochenwachstum gelegt. Die maximale Knochenmasse wird am Ende des 20ten Lebensjahres erreicht.

Wichtig für den Erhalt der Kochenstabilität in den folgenden Lebensjahren ist eine genügende Zufuhr von Vitamin D und Calcium und ein vernünftiger Ausgleichssport.

Diagnose der Osteoporose

Im ersten Schritt erfolgt eine Anamnese (siehe Diagnostik). Auch hier werden zunächst die Risikofaktoren für die Osteoporose abgefragt und der Patient wird gebeten, Angaben bzgl. Körpergrösse, -gewicht, Sturzrisiko und eventuellen Knochenbrüchen zu machen.

Im Anschluss wird die Wirbelsäule auf Druck- oder Klopfschmerz untersucht und festgestellt, ob der Patient eine verstärkte Rundrückenbildung hat, in den letzten Jahren bzw. Monaten an Körpergrösse verlor und ob es zu einer Faltenbildung der Haut am Rücken kommt.
Es kann auch ein Sturztest vorgenommen werden, um die Verdachtsdiagnostik zu bestätigen.

Es kann aber durchaus vorkommen, dass selbst bei Patienten mit manifester Osteoporose die körperliche Untersuchung ohne Befund ist. Zur weiteren Abklärung sind zusätzliche Diagnostikmethoden, wie bildgebende Verfahren (Röntgen, MRT, Knochendichtemessung DXA) und Laboruntersuchungen vorzunehmen.

Anhand der DXA Messung (T-Score Wert) wird festgestellt, ob eine Osteoporose oder Osteopenie (Vorstadium) vorliegt und wie hoch der Schweregrad ist.

DXA Messung LWS

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paeklinische Osteoporose manifeste Osteoporose Osteoporose mit mehreren Frakturen
präklinische Osteoporose manifeste Osteoporose Osteoporose mit mehreren Frakturen

Therapie der Osteoporose

Heutzutage ist es wichtig, es nicht erst zu einer Osteoporose und zu einer Fraktur kommen zu lassen. Deshalb wird dringend geraten eine Osteoporoseprophylaxe durchzuführen, wobei die Osteoporosevorsorge und die Behandlung fliessend ineinander übergehen.

Es ist wichtig ist zu wissen, dass eine Osteoporose entstehen kann, ohne das der Betroffene es es zu merkt. Die Osteoporose kann sich ohne Schmerzen entwickeln und die üblichen Laborparameter sind immer im Normbereich.

Hat sich eine Osteoporose entwickelt ist es aber nicht zu spät. Es gibt eine Reihe von Medikamenten, Vitaminen und Mineralstoffen, die gegeben werden können, um die Osteoporose entweder zum Stillstand zu bringen oder zu heilen.

Bis sich eine Osteoporose entwickelt, kann es viele Jahre dauern. Es gibt ein Zwischenstadium bis zum vollständigen Krankheitsbild der Osteoporose dies wird Osteopenie genannt. Auch dieses Stadium kann frühzeitig entdeckt und behandelt werden.

Die Therapieziele der Osteoporose liegen darin, zunächst die Frakturinzidenz zu vermindern, d.h. die Risikofaktoren für Wirbelkörper, periphere- und Hüftfrakturen zu vermindern. Des weiteren muss die Festigkeit und Qualität des Knochens verbessert werden. d.h ein intakter Knochenstoffwechsel muss erreicht werden. Die Verbesserung der Lebensqualität, also die Verminderung der Schmerzen, das Erreichen höherer Selbstständigkeit und Mobilität ist ebenfalls ein Kernziel.

Die Osteoporose wird dreigleisig behandelt und unterscheidet 3 Therapieformen:

  1. Therapie der Osteoporose mit Medikamenten, Bewegungstraining und Ernährungsumstellung.
  2. Therapie der Auswirkungen wie Schmerztherapie, Behandlung von Frakturen und physiotherapeutische Massnahmen.
  3. Therapie der Grunderkrankung, z.B. Behandlung von Darmkrankeiten, Diabetes etc.

Heutzutage gibt es eine Reihe von Medikamenten, Vitaminen und Mineralstoffen die gegeben werden können, um eine effektive Behandlung der Osteoporose zu ermöglichen. Um den besten Behandlungserfolg zu erzielen ist es wichtig, das richtige Medikament zum richtigen Zeitpunkt auszuwählen.

Die Basis jeder medikamentösen Osteoporosetherapie ist die Gabe von Kalzium und Vitamin D. Im zweiten Schritt werden Medikamente verordnet, die den Knochenabbau bremsen, z.B. Bisphosphonate sowie Medikamente, die den Knochenaufbau stimulieren.


Am allerbesten ist es jedoch, wenn der Patient frühzeitig beim Arzt kontrollieren lässt, ob sich eine Osteoporose entwickelt, um dann frühzeitig in diesen Prozess eingreifen zu können.

Auf unserer Webseite ist ein Fragebogen vorhanden, den sie ausfüllen können, um zu kontrollieren, ob bei Ihnen ein erhöhtes Osteoporoserisiko vorliegt. Das Orthopädische Schmerzzentrum ist auf die Erkennung und Behandlung der Osteoporose spezialisiert und wir können überprüfen, ob Sie schon eine Osteoporose haben oder sich diese im Entwicklungsstadium befindet.
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