Orthopädisches Schmerzzentrum - Dr. med. Gerhard Becker, Zürich

Sie befinden sich hier: Service | Schmerzarten | Durchblutungsstörung der Extremitäten (pAVK)
  • kleinere Schriftgröße
  • Standard-Schriftgröße
  • größere Schriftgröße

Durchblutungsstörung der Extremitäten (pAVK)


Genaue Zahlen zur Häufigkeit der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) in der Schweiz gibt es nicht. In Deutschland sind etwa 5 - 10 % der Bevölkerung von Durchblutungsstörungen der unteren Gliedmaßen betroffen. 10 % der peripheren arteriellen Verschlüsse fallen auf die oberen Extremitäten.

Am bekanntesten ist die sogenannte Schaufensterkrankheit, medizinisch Charcot Syndroms. Beim Gehen entwickelt sich kontinuierlich ein immer stärker werdender Schmerz im Bein. Meistens ist es ein krampfartiger Schmerz in der Wade, er kann aber auch am Oberschenkel oder im Gesäss auftreten. In Ruhe hört der Schmerz komplett auf, d.h. der Patient wird gezwungen, stehenzubleiben. In der Stadt steht der Betroffene oft am Schaufenster eines Geschäftes, daher die umgangssprachliche Bezeichnung Schaufensterkrankheit.

Betroffen sind vor allem Menschen zwischen dem 35. und 60. Lebensjahr.

Ursachen der pAVK

Im Vordergrund der pAVK steht eine Arteriosklerose, d.h eine progressive Kalkablagerung an den Schlagadern - hier der Bein- bzw. Beckenarterien. Die Beinmuskulatur wird ungenügend mit Blut versorgt. Dies kann zum Einem genetisch bedingt sein, meistens ist aber eine nicht angemessene Lebensweise, z.B. fettreiche Ernährung, ausschlaggebend. Auch eine Infektion mit dem Keim Chlamydia pneumoniae kann die pAVK auslösen.

Bei dem Prozess der Arteriosklerose werden Blutfette und Eiweisse in die Wand des Blutgefässes eingelagert, welche von Bindegewebe und Kalk umschlossen werden (sogenannte arteriosklerotische Plaques). Diese Plaques verursachen, dasss die Gefässwände verdicken und somt nicht mehr dehnbar sind. Zudem wird die Arterie so verengt (Stenose), dasss an der Stenosestelle weniger Blut zirkulieren kann. Dies löst die Schmerzen aus.

Wenn ein Plaque aufbricht, fliesst der liquide Anteil in das Blutgefäss. Wenn sich noch zusätzlich Thromobozyten (Blutplättchen) anlagern, bildet sich ein Blutgerinsel (sog. Thrombus), das wiederum die Arterien verstopft und die Blutzufuhr weiter drosselt oder sogar stoppt. In diesem Fall kann das Gewebe aufgrund der Blutunterversorgung absterben (Nekrose).

Ziel der Behandlung ist primär den Übergang von den leichten zu den schweren Krankheitsbildern der pAVK zu verhindern.

Stadien der pAVK

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit ist nach dem französischen Chirurg René Fontaine (*1899, †1979) in 4 Stadien unterteilt. Im Stadium I kommt es noch nicht zu körperlichen Beschwerden. Schmerzen beim Gehen treten im Stadium II auf. Empfindet der Patient Schmerzen im Ruhezustand, so ist die pAVK bereits im Stadium III. Stadium IV wird durch Geschwürbildung, Absterben von Gewebe und Wundbrand gekennzeichnet.

Diagnose der pAVK

Wie bei jeder Diagnosestellung im OSZ Zürich muss im persönlichen Arztgespräch zunächst eine Anamnese erfolgen (siehe Diagnostik). In diesem speziellen Fall werden zunächst die Risikofaktoren für Arteriosklerose abgefragt und ob der Patient typische Beschwerden der pAVK , z.B. belastungsabhängige Schmerzen in den Extremitäten, hat.

In der darauf folgenden körperlichen Untersuchung wird ein Pulsstatus mittels Abtasten der Pulse an den Handgelenken, in der Kniebeuge, an den Füssen und in der Leistenregion im Seitenvergleich durchgeführt. Mit dem Stethoskop können eventuell vorhandene Strömungsgeräusche in den Gefässen über den Arterien auf deren Minderdurchblutung schliessen lassen .

Weitere medizinische Tests, wie die klassische Lagerungsprobe nach Max Ratschow und Gehtests, bestätigen die Verdachtsdiagnostik.

Zur weiteren Abklärung im Fall einer eventuell notwendigen Operation werden bildgebende Verfahren, wie die Ultraschall-Doppler-Methode und die invasive Angiographie nötig sein. Diese Diagnostikverfahren werden nicht im OSZ durchgeführt, wir überweisen Sie in diesem Falle in das Hospital.

Risikofaktoren

  • Genetische Faktoren
  • Rauchen
  • Diabetes
  • Erhöhtes Cholesterin
  • Bluthochdruck
  • Thrombose
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • Stress
  • Flüssigkeitsmangel
  • Übermässiger Alkoholkonsum

In der konsequenten Bekämpfung der beeinflussbaren Risikofaktoren liegt der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg gegen die pAVK .

Therapie

Bereits im Frühstadium der pAVK ist ein Gehtraining und spezielle Krankengymnastik nötig. Einer Metaanalyse aus 21 Studien zufolge führt ein standardisiertes Gehtraining zu einer Verbesserung der Gehstrecke.

Ein konsequent durchgeführtes Training über mindestens drei Monate kann für den Patienten eine Steigerung der schmerzfreien Gehstrecke und -zeit um ca.100 % bewirken. Wenn die Patienten der Studie mindestens dreimal pro Woche für mehr als eine halbe Stunde ein Gehtraining unter Aufsicht machten, nahm die schmerzfreie Gehstrecke um etwa 180 Prozent, z.B. von 126 Metern auf 350 Meter zu, die maximale Gehstrecke um 122 Prozent, z.B. von 326 Metern auf 723 Meter.

Das Gehtraining bewirkt die Sauerstoffversorgung in der Muskulatur sowie im Gewebe, die muskulären Ausdauerleistung wird gesteigert und es werden kleine Gefäße im Gewebe gebildet. Zusätzlich bewirkt die langfristige Bewegungstherapie eine Verbesserung der kardiovaskulären Werte wie Blutfett, Blutdruck, Insulinresistenz und HBA1c-Wert.

Schmerztherapie

Im Orthopädischen Schmerzzentrum wird die pAVK multimodal therapiert. D.h. verschiedene Therapieverfahren werden individuell auf den Patienten und das Krankheitsstadium bezogen angewendet.

Hierzu zählen:
  • Allgemeine medikamentöse Schmerztherapie
  • Lokalanästhesie entweder als Infiltration direkt in die schmerzende Stelle oder als Nervenblockade
  • Infusionstherapie
  • Akupunktur
  • Physiotherapie
  • Matrixtherapie
  • Entspannungsverfahren
  • Diätetische Therapie

Bei chronischen Schmerzen In den Stadien II bis IV sind psychologische und psychotherapeutische Behandlungen des Patienten indiziert. Das OSZ Zürich arbeitet mit schmerztherapeutisch ausgebildeten Psychologen und Psychotherapeuten zusammen, die Sie in diesem Falle konsultieren können.

Der wichtigste Faktor zum Erfolg einer Behandlung liegt aber, wie bereits oben erwähnt, in der Hand des Patienten.

Der Schlüssel zum dauerhaften Erfolg gegen die pAVK ist die konsequente Bekämpfung der Risikofaktoren.

Datum/Quelle/Autor